20
Sep
2007

Du kennst mich nicht.

Die Frage welche ich mir neulich stellte war simpel und dennoch fand ich keine Antwort. Wieso begegnen wir Menschen immer wieder? Sie kreuzen unsere Wege und dann, für Jahre, hören und sehen wir nicht mehr von ihnen, bis sie eines Tages, wie aus dem Nichts wieder zu Weggefährten werden. Es ist, als hätte man sich immer schon gekannt, und als wäre man niemals getrennt gewesen. Es ist kein Bruch da. Als würde keine Sekunde fehlen. Man sitzt dann zusammen und erzählt aus dem Leben, hört zu und erfährt Dinge die man eigentlich schon weiss. Nein, es sind keine spektakulären Geschichten, keine Dramen, es sind normale Begebenheiten die passierten. Man sieht den anderen an und fragt sich; Kennst du mich wirklich Freund? Weisst du wirklich um meine heimlichen Gedanken? Oder ahnst du nicht im entferntesten, dass ich nicht der Mensch bin welcher du glaubst in mir zu sehen.

Immer schwingt eine leichte Melancholie in solchen Abenden mit. Ein leichtes Bedauern vielleicht und manchmal ein kleiner Wunsch. Wieso? Wieso bist es nicht du welcher mich aus der Tristesse riss? Damals! Es ist viel zu spät. Jetzt!
Man sieht das Gegenüber an und hofft ein wenig, dass sein/ihr Leben von einem Hauch Unglücklich umweht wird, damit man als Held ins Geschehen springen kann. Damit man wieder ein Teil dessen wird, was man nie war. Es ist wie Schach spielen. Zug um Zug versucht man voranzukommen. Und am Ende wird man selbst zum Bauernopfer.

Diese Menschen verschwinden wieder vom gemeinsamen Pfad, weil man ihnen im Grunde genommen nichts bedeutet. Ihre Freundlichkeit ist eine Art Neugier auf ein anderes Leben, welches sie nicht wollen oder in welches sie nur für einen Augenblick Einblick erhaschen wollen. Am Ende des Abends sitzt man gegenüber und weiss wieso ein gemeinsamer Weg niemals möglich war; Die Persönlichkeiten sind so voneinander abwägig, dass es nie eine Gemeinsamkeit gab. Man heuchelte ein wenig Interesse und am Ende drehte man sich um und ging seines Weges.

Und so steht man auf, rückt den Stuhl zurecht, geht hinaus, verabschiedet sich und beteuert wie wunderbar der Abend war, man verspricht sich bald zu melden damit man wieder so interessant zusammen sitzen kann und verabschiedet sich dann herzlich. Man steigt in den Wagen fährt los und spätestens auf der Autobahn weiss man, dass das Leben des andern ein Leben ist das man nicht möchte. Und dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. Was gut ist. Den im Grunde genommen kennt man sich gar nicht.
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Taylors Vintage - Das Leben ist eine Baustelle

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