8
Jul
2006

Das Geschenk

Zu meinem Geburtstag im Januar kriegte ich ein tolles Geschenk. Meine Freundin schenkte mir ein kleines aber feines Couvert. Darin befand sich eine Broschüre sowie ein Gutschein für den Day Spa im Globus Zürich. Eine feine Sache.

Im Frühling, dann wenn die Sonne rauskommt und man den Winter abstreift wollte ich da hingehen doch irgendwie zog der Frühling an mir vorbei und der Gutschein blieb wo er war. Im Couvert.

Heute nun beschloss ich, dass es an der Zeit ist, das Geschenk einzulösen. Den ich denke es ist an der Zeit dass ich mich etwas erhole. Selbst wenn es nur eine Stunde ist, sie kann wahre Wunder bewirken.

Also werde ich demnächst dort einmarschieren, den Gutschein auf den Thresen legen und mich danach sowas von gut fühlen. Ich denke, dass ist es was ich momentan brauche.

6
Jul
2006

Das Haus

In meinem Kopf gibt es ein Haus. Ich sah es nie von aussen, aber alle paar Jahre führt mich ein Traum hinein. Jeder Raum ist anders doch wieviele Räume es sind weiss ich nicht. Bisher hielt ich mich nur in zweien auf. Der eine ist weiss mit einem Parkettfussboden. Er hat zwei Türen die hinein führen. Die eine links, die andere rechts an der Wand. In dem Raum stehen zwei braune Sessel. Sie stehen einander leicht schräg gegenüber doch sie sind leer. Ein grosses Fenster zeigt in einen grünen Garten. Der Raum ist so gross wie ein Tanzsaal und wenn man darin steht erfüllt es einen mit Ruhe und Zufriedenheit.

Der andere Raum ist Himbeerfarben. Er ist im Kollonialstil eingerichtet. Es muss ein Korridor sein den eine Treppe aus Bambus führt in ein oberes Stockwerk. Doch bisher fehlte mir der Mut diese Treppe zu betreten. Denn der Raum hat etwas beängstigendes an sich. Ein buntes Glasfenster zeigt ein Bild. Überall stehen Dekorationsgegenstände. Ein kleiner Tisch, eine Figur, eine alte Lampe. Wen ich in diesem Raum bin fühle ich keine Ruhe, dann möchte ich weiter den irgendetwas lauert darin.

Das Haus hat sicherlich noch mehrere Räume. Doch betreten habe ich bisher keinen weiteren. Verrückt nicht?

5
Jul
2006

Die Dekadenz

Man könnte meinen Dekadenz sei unser zweiter Vorname. Besonders heute. Die wilden Kerle gossen den armen Buchsstrauch welcher da in der Sonne steht mit Nendaz Mineralwasser. Aber es war nicht einfach ein Naturwasser. Nein. Es war ein Nendaz mit Kirschgeschmack. Hey ich mein wer hat schon einen Buchs der jetzt nach Kirsche riecht. Also ich kenn da niemanden..

Mindestens haltbar...

Frau Taylor wird zukünftig auch hier zu lesen sein. Und zwar unter der Rubrik "Cosmopolis". Das Schreiben auf Komando ist jedoch nicht so einfach wie viele glauben. Aber, ich war ja noch nie um Worte verlegen ;-)

3
Jul
2006

Der Teenie und der Kampfhund

Bojan, unser Nachbarsjunge ist dreizehn. Genau in dem Alter wo man gern den grossen Macker markiert um bei seinen Kollegen Eindruck zu schinden.

Wir haben einen sogenannten Kampfhund. Floh. Eine Miniatur Bullterrierdame, zwölf Jahre alt und sowas von nicht temperamentvoll. Sie läuft wenn sie muss, mag weder Winter noch Sommer noch Regen noch allgemeines Wetter. Liegt am liebsten rum bevorzug unter dem Esstisch wenn Menschen oben essen und hofft das immer was runterfällt. Deshalb wundert es mich immer wieder wie Menschen mich schockiert und ängstlich anschauen wenn ich plus die wilden Kerle plus roaring Flöhli durch die gegend laufen. Sprich, den Hund hinter uns herziehen weil die wiedermal nicht will.

Bojan nun erhoffte sich einen Spaziergang mit Floh. Nach dreimaligem "nein, es ist kein Pitbull sondern eine Miniature Bullterrierhündin" hat er die Rasse begriffen. Ich drückte ihm die LEine in die Hand und sein Kumpel stand daneben, voller Ehrfurcht. Sie zogen los. Und ich sah zu, den es nahm mich wunder wie weit sie kommen würden. Floh anfangs locker lässig ganz Hund. Ich hörte Bojan "los Floh" und Floh trabte weiter. Dann traffen sie auf einen Kumpel "Hey, fass sie nicht an, sie ist extrem aggressiv" hörte ich den Jungen warnend. Eine völlig gelangweilte Floh stand neben ihm. "Nur ich darf sie an der Leine halten, sie ist sowas von wild" Floh sah sich um und machte keinen wank.

"Komm Floh" Floh rührte sich nicht. Er zog etwas an der Leine, seine beiden Kumpels sahen ihm dabei zu und so langsam kamen ihnen zweifel das dieser Hund eine Bestie ist und jeden anfällt der vor ihm steht.
"Los Floh" der Hund rührte sich nicht. "Floh!" er wurde lauter. Doch der Hund machte keinen Schritt. Es wurde etwas peinlich für den Teenie und ich ging auf sie zu.

"Sorry, wir waren schon vorhin laufen und sie hat etwas heiss. Die Sonne verträgt sie nicht so. Aber danke." ich nahm die Leine.
"Ist der Hund echt so agressiv?" fragte mich einer seiner Kumpels.
"Wahnsinnig....nur Bojan hat ihn im Griff" sagte ich und zwinkerte. Man Begriff.
Ich zog den Hund nach Hause und seither hat sie sich nicht vom Sofa bewegt.

Das Muttersein

"Es muss herrlich sein mit den wilden Kerlen. Ich stelle mir dein Leben absolut friedlich vor. Ich meine, welchen Stress hast du schon?" sagte meine Freundin, kinderlos und das ist wohl auch gut so, und sah mich lächelnd an. Als würde sie ein Madonnenbild betrachten. Vor ihr sass ich. Mit hochgesteckten Haaren die irgendwie völlig schief aussahen und überall aus der Spange runterhingen. Ich lächelte zurück. Leicht verkniffen.

Das Bild welches man von anderen Menschen hat ist immer ein Bild welches man im Moment sieht. Eine Momentaufnahme. Alle Paare welche man im Ausgang trifft wirken glücklich. Ich selbst kenne auch niemanden der seine Fehden in Kurt Aeschbachers Laborbar austrägt am Freitag Abend um sich so aufs Weekend einzustimmen. Und Mütter wirken meist auch völlig ausgeglichen und sowas von happy.

Doch seien wir ehrlich. Es gibt Tage da hätte man gern die Telefonnummer der NASA um einen one way Flug ins All zu buchen. Nur für ein paar Stunden zwar, aber man würde seine Kinder in die Rakete setzen und dann persönlich den roten Knopf drücken. Es wäre eine solche Erleichterung. EInfach Ruhe! Kein geheul, kein gequengel und einige Stunden absolute Stille. Herrlich.

Doch diese Momente sind selten. Sie sind da aber sie sind selten. Die Momente in denen man am liebsten die Zeit anhalten würde sind die Häufigsten. Man merkt wie die Zeit rast, wie das kleine Bündel in der Pampers Nr. 1 Windel mittlerweile schon alleine Rad fährt . Wie der Kindergarten immer näher Rückt und wie die Babyzeit immer mehr in weiter ferne ist. Da möchte man die Zeit anhalten. Einfach weil es schöne Momente sind. Weil es Momente sind die als Erinnerung tief in uns verwurzelt sind. Keiner bringt sie uns wieder aber wir hüten sie wie einen Schatz.

Und deshalb darf ich getrost sagen, auch wenn die Kleidung Bananenflecken hat, die Schuhe keine HighHeels sind sondern Sneakers und die Haare meist in der Gegend rumhängen wie Kraut, es ist toll. Es ist wunderbar. Und es ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Es ist nicht Harmonie, es ist nicht Happiness a la Persilfamilie, es ist einfach so wie es ist. Bei jedem anders und jeder macht es anders. Aber, für mich, ist es toll. Und ich würde mit niemandem auf der Welt tauschen wollen.

1
Jul
2006

Der Artikel

Ich liebe den Samstagmorgen. Den dann finde ich als Beilage im Tagi, "Das Magazin". Ich lese es gern, ich bin Fan von Max Küng und auch sonst ist es eine feine Sache. Doch heute, heute war alles anders. Ich freute mich nicht. Ich weinte als ich es las. Tränen tropften auf die Seite dessen Artikel ich las. Ein langer Artikel. Ein trauriger. Es gib um Todgeburten. Wie es die Autorin damals erlebte und wohl auch überlebte. Es ist ein Thema bei dem ich gerne die Seite umblättere. Doch diesmal las ich es, von anfang an. Und ich weinte.

Wieso sterben Kinder im Mutterleib? Wieso dürfen sie nicht leben? Und wie kann man dies als Eltern überleben? Tausend Gedanken auf die niemand auch nur eine Antwort weiss. Es ist einfach so. Es ist Pech. Es ist Schicksal. Es hat halt nicht sollen sein. Wie untröstlich das doch ist.

Man trägt acht Monate ein Kind unter dem Herzen. Freut sich darauf. Richtet das Zimmer ein, kauft extra ein Plüschtier als ersten Begleiter durch die Nacht und eines Tages folgt die Stille. Nichts regt sich mehr im Bauch. Und dann kommt die Panik, dann die Angst und am Ende die Gewissheit. Wie schrecklich muss das sein. Wie erdrückend.

Eltern sollten ihre Kinder nicht begraben müssen. Schon gar nicht wenn sie gerade geboren sind. Doch das Leben hat manchmal einen anderen Plan. Es fragt nicht danach was wir wollen, es macht einfach. Gewisse sagen, es sei halte eine Art Fehllieferung. Doch sind wir wirklich kleine Päckchen Universum des göttlichen DHL Boten? Ich glaube nicht. Oder doch?

Ich selbst musste so eine Erfahrung nie machen. Doch jedesmal wenn ich einen Artikel darüber lese werde ich traurig. Denn welch Verlust ist ein Grösserer als den ein Kind zu verlieren?
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